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Das gesellschaftswissenschaftliche Profil der Q2 fuhr in diesem Jahr nach Polen auf Kursfahrt. Damit begaben wir uns auf eine praxisnahe Expedition, um das inhaltliche Schwerpunktthema „Das deutsch-polnische Verhältnis“ des 3. Semesters im Kurs mit erhöhtem Anforderungsniveau Geschichte genauer zu ergründen. Natürlich war auch Ziel, unseren direkten Nachbarn näher kennenzulernen.

Auf dem Programm standen neben einer ausführlichen Erkundung der Kulturhauptstadt Polens auch thematische Stadtführungen zur Geschichte der Stadt sowie zur Geschichte der Juden in Krakau, die bis zur Verfolgung durch die Deutschen eine wichtige gesellschaftliche Position in Krakau einnahmen.

Untergebracht in dem zentralen und hippen Viertel „Kazimierz“ konnten viele wichtige Sehenswürdigkeiten wie der Wawelhügel, das Weichselufer, der beindruckende Marktplatz samt Tuchhallen, das Museum in der ehemaligen Fabrik Oskar Schindlers (bekannt durch den Film „Schindlers Liste“ des Regisseurs Stephen Spielberg) sowie eine Synagoge und ein jüdischer Friedhof besichtigt werden. Aber auch kulinarisch konnte die Stadt mit vielen stylischen Restaurants, exotischen Spezialitäten und chilligen Bootslokalen beim Kurs punkten. Den Höhepunkt bildete dabei zweifelsfrei der Klezmer-Abend in einem traditionellen jüdischen Restaurant, der zur eh schon guten Laune enorm beitrug.

Jedoch setzten wir uns neben all dem Spaß auch mit dem dunklen Kapitel deutscher Geschichte auseinander. Neben der Judenverfolgung und der Zuweisung ins Ghetto, beginnend 1941, spielte Kraukau auch ein wichtige Rolle bei der auf der Berliner Wannseekonferenz organisierten „Ausrottung der Juden“. Das Konzentrationslager Auschwitz sowie die Vernichtungsstätte Auschwitz-Birkenau mit seinen Gaskammern und Krematorien liegen etwa eine Busstunde von Krakau entfernt.

Der Anblick der Ausstellungsstücke aus dem Besitz der Ermordeten (LKW-Ladungen von abgeschnittenen Haaren, riesige Haufen an konfiszierten Brillen, Schuhen, Koffern, Haushaltsutensilien), die in der Gedenkstätte ausgestellt waren, schnürte vielen von uns die Luft weg. Auch die Begehung des riesigen Geländes und der Baracken in Auschwitz-Birkenau, wo circa eine Million unschuldige Menschen in Gaskammern umgebracht wurden, wirkten noch lange nach. Umso unverständlicher war es für uns, dass es Menschen gibt, die diesen Teil der Geschichte leugnen oder bagatellisieren.

 

Wir schreiben das Jahr 2013 – Zeit für eine Legende!

Die Legende beginnt am 02.09.2013 um 6.30 Uhr auf dem HSV-Parkplatz zu Helmstedt. Nachdem alle Teilnehmer zur Abfahrt erschienen waren, begann unsere montägliche Beschäftigung: Eine Busfahrt ins polnische Krakau. Nach zehnstündiger Fahrt durch die Landschaft Südbrandenburgs und Polens bezogen wir unser Hostel im Zentrum Krakaus. Die erste Erkundung des Stadtkerns mit der Gruppe und die anschließende Einkehr in Lokalitäten unserer Wahl rundete den Tag ab.

Am Dienstag wurden wir am Hostel von zwei Stadtführern herzlich in Empfang genommen. Es schloss sich eine lebendige mehrstündige Stadtführung durch die historische Altstadt Krakaus, das ehemalige jüdische Viertel Kazimiercz und die Burg Wawel an. Der Nachmittag war zur freien Verfügung. Diese Möglichkeit nutzten einige Schüler unter der Begleitung der Lehrer zur Besichtigung des Museums „Deutsche Emaillewarenfabrik“. Nachdem uns die Stadtführung am Vormittag bereits an Drehorte des Films „Schindlers Liste“ geführt hatte, konnten wir nun hier die Geschichte dahinter nachvollziehen.

Der Mitwoch war der historischen Aufarbeitung der NS-Verbrechen gewidmet. Hierzu bot sich uns das Zeitzeugengespräch mit dem Holocaustüberlebenden Herrn Elbinger am Vormittag sowie der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz an. Dass diese Erlebnisse uns vermutlich alle für die Zukunft prägen sollten, war an der Stimmung während der Besichtigung der Strafzellen, der Hinrichtungswand sowie der Gaskammer in Auschwitz I deutlich wahrzunehmen. Als sich uns am Nachmittag der Eindruck des riesigen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau bot, wurde vielen von uns erstmals der wahre Irrsinn und die unglaublichen Dimensionen der Verbrechen der Deutschen im „Dritten Reich“ bewusst. Auch am Abend verursachten die Ereignisse des Tages noch reichlich Gesprächs- und Diskussionsstoff.

Am Donnerstag stand eine Floßfahrt auf dem Dunajec, dem polnisch-slowakischen Grenzfluss, auf dem Programm. Nach unserer Rückkehr von dieser ruhigen Fahrt durch atemberaubende Natur brach der letzte Abend in der Kulturhauptstadt Krakau an. Wir feierten unseren Abschied von Krakau ausgiebig mit unseren Lehrern während des Besuchs einer Karaoke-Bar. Einige von uns wagten sich hier sogar unter dem Jubel der anderen Gäste auf die Bühne.

Nach dieser abendlichen Exkursion folgte am Freitag die Rückfahrt in die Heimat. Krakau zeigte sich während unseres Besuches von seiner schönsten Seite und ist als Kursfahrtziel nicht nur wegen des insgesamt Verbraucher freundlichen Preisniveau für die folgenden Jahrgänge wärmstens zu empfehlen.

Sören Schliebs und Lukas Gatz


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