09.November 1918 – Revolution in Deutschland— Ausrufung der Republik

Bergbesteigung, Marathonlauf, Sprung über einen breiten Graben – sicher fallen euch noch viele weitere Vergleiche für die Helmstedter Universitätstage ein: Der Geschichtskurs ge92 hat die Herausforderung zusammen mit Frau Pfeiler und mir (Frau Grüger-Vollheide) angenommen und die Hürde mit Bravour gemeistert. Vom 20. bis zum 22.09. drehte sich alles um das Thema Revolution – verehrt – verhasst – vergessen.

Das Seminar der Schülerinnen und Schüler begann am Donnerstagnachmittag in der Begegnungsstätte St Ludgeri. Etwa zwölf Gabös (einige mussten zunächst noch ihre Matheklausur beenden) trafen auf etwa dreißig Schülerinnen und Schüler vom Julianum, aus Wittenberg und aus Haldensleben. Schon während Herr Kuck (Julianum) allen die Möglichkeit gab sich kennenzulernen, wurde deutlich, dass die Teilnehmer in diesem Jahr besonders aufgeschlossen und neugierig waren („Die Vorbereitung zum Film und zur Lesung war sehr gut. Man hatte so auch die Möglichkeit mit anderen Schülern ins Gespräch zu kommen“). Ohne Berührungsängste gingen alle aufeinander zu und kamen schnell miteinander ins Gespräch.

Erich Greifer [Public domain], via Wikimedia Commons

Anschließend wurde in Workshops der für den Abend geplante Kinobesuch vorbereitet. In kleinen Gruppen – vermischt von den verschiedenen Schulen – wurden der Inhalt des Films „Das Lied der Matrosen“ und sein historischer Hintergrund erschlossen („Frau Grüger, Sie haben ja gar keinen Witz gemacht, als Sie sagten, wir würden hier ganz viel mit Quellen und Texten arbeiten!!!“) Gut gewappnet konnten wir nach dem Abendessen einen anspruchsvollen Kinoabend im Roxy genießen („Dieser Film war eine Erfahrung für sich. Alleine wäre ich da nicht hingegangen.“ „Ohne die Vorbereitung wäre ich bei den ganzen Personen des Films nicht durchgestiegen“). Angereichert wurde dies noch durch die Podiumsdiskussion nach dem Film („Die anschließende Diskussion war auch interessant, weil der Historiker und der Filmhistoriker aus unterschiedlichen Orten stammten.“ „Es war überraschend, dass die Diskussionspartner so unterschiedliche Standpunkte vertraten.“)

Das umfassende Programm wurde am Freitag mit dem Frühstück fortgesetzt: Zunächst erfolgte mit Herrn Kuck eine Einführung in den Roman „Beste Absichten“. In Gruppen haben sich die Schülerinnen und Schüler mit den Personen der Handlung beschäftigt („Es war toll, dass die Aufgaben so gestaltet waren, dass man sich gut mit Schülern austauschen konnte, die man ja eigentlich gar nicht kannte.“) An der Vorstellung der Ergebnisse hat Thomas Brussig, der Autor des Romans, teilgenommen. Anschließend hat er sich gern den Fragen der Schüler gestellt, und es hat sich ein angeregtes und sehr ausführliches Gespräch zwischen dem Autor und seinen Lesern entwickelt. („Es war beeindruckend, dass der Autor sich so um uns bemüht hat.“ „Thomas Brussig ist ein cooler Kerl.“ „Es hat mich überrascht, dass sich Herr Brussig auch für uns interessiert hat und uns auch Fragen gestellt hat. Ob wir auch Interesse am Schreiben haben und so.“ „Mich hat besonders berührt, dass Herr Brussig meinte, die DDR sei für Geschichtenerzähler ausgelutscht. Man fragt sich jetzt, was wohl sein nächstes Projekt ist.“)

Nach dem Mittagessen waren wir mit Frau Sterly am Juleum verabredet. Von ihr erhielten wir einen Einblick in die Universitätsgeschichte der Stadt Helmstedt. Die Gründung der Universität und die Folgen für die Bürger waren wichtige Aspekte der Führung. Besonders interessant waren aber auch die Geschichten aus dem Alltag der Studenten in Helmstedt. Vielleicht war es für den einen oder anderen Schüler des Abschlussjahrgangs ein Blick in die Zukunft. („Der Einblick in die Universitätsgeschichte mit Frau Sterly war sehr gut. Die ganzen Vorbereitungen haben uns irgendwie in eine geschichtliche Atmosphäre reingebracht.“)

Am Nachmittag schloss sich das Schülerseminar der Hauptveranstaltung an: Wir nahmen an der Eröffnung der Helmstedter Universitätstage teil, hörten die Begrüßungen, erhielten durch Prof. Sabrow einen Überblick über die Revolutionserinnerungen 1848 – 1918 – 1989 und hinterfragten mit Prof. Machtan, ob die revolutionäre Begründung der Deutschen Republik am 9. November 1918 eine Legende ist. Das war ganz schön anspruchsvoll, und ich bin beeindruckt, dass die Schülergruppe hier ihre Kondition wie trainierte Sportler gezeigt hat. („Wir haben es halt versucht.“ „Ich war ganz schön überrascht, als ich merkte, dass ich insgesamt gut mitkomme, auch wenn ich nicht jedes Detail verstehe.“ „Ich habe viel gelernt.“ „Die Vorträge waren ganz schön hoch für uns, da habe ich irgendwann abgeschaltet.“)

Einige hatten nach dem Abendessen immer noch die Energie, um an der Lesung von Herrn Brussig im Juleum teilzunehmen, eine kleine Gruppe hat den Abend gemütlich im Pferdestall ausklingen lassen. („Schade, dass die Zeitplanung so eng war, dass wir nicht mehr an der Abendlesung teilnehmen konnte.“ „Am Abend war ich einfach zu müde.“)

Am Samstagmorgen haben nur noch einige wenige am Frühstück in der Begegnungsstätte St. Ludgeri teilgenommen. Zur Rundfahrt Grenzenlos waren jedoch alle wieder wie verabredet interessiert dabei. („Die Grenzenlosfahrt und Marienborn sind leider viel zu kurz gekommen. Wir haben leider nur den Turm gesehen.“ „Es lohnt sich auf jeden Fall, die Grenzenlosfahrt zu wiederholen.“ „Die Reiseführerinnen waren sehr gut und haben uns informiert. Leider war alles etwas abgehetzt. Man ist so durchgehuscht.“)

 

Das Programm von Donnerstagnachmittag bis Samstagmittag war unglaublich vielfältig, abwechslungsreich und anspruchsvoll. Am meisten haben mich jedoch die Schülerinnen und Schüler beeindruckt, die sich etwas getraut haben. Sie haben bildlich gesprochen einen Achttausender bestiegen, sind einen Marathon gelaufen und haben den Sprung über den Graben nicht gescheut. Sie haben die Herausforderungen angenommen, ihr Bestes gegeben, und die meisten haben mit viel Kondition an der Veranstaltung teilgenommen.

Rouvens Fazit: „Ich war überrascht, denn es war nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte.

Andere meinten, dass die Helmstedter Universitätstage unbedingt bekannter sein sollten und mehr Werbung dafür gemacht werden müsste:

Ich hätte nicht gedacht, dass hier in Helmstedt so eine Veranstaltung angeboten wird und nicht in Braunschweig oder einer anderen Großstadt. Ich glaub, das weiß gar keiner.

 

Bei dem Artikel handelt es sich um eine Mischung von einfacher Berichterstattung von Fr. Grüger-Vollheide und originalen Schülerzitaten. Die Zitate sind jeweils fett in Klammern gesetzt.

 

Fotos

Fotos: Andreas Greiner-Napp

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