Schulentwicklung

Zeittafel

01.04.1948Gründung der “Staatlichen Oberschule im Aufbau” an der Wilhelmstraße
1960Bezug des heutigen Schulgeländes
Mai 1981Umbenennung in “Gymnasium am Bötschenberg Helmstedt”
Oktober 1983Herr Krumpelt wird neuer Schulleiter und löst seinen Vorgänger Jürgen Weiß ab.
1996Das ehemalige Wirtschaftsgebäude der Heimschule wird gemietet, weil dadurch weitere Klassenräume bereitgestellt werden können.
1997Einführung des Vereins „WiGaB e.V.“
1998Gründung des Fördervereins des Gymnasiums am Bötschenberg e.V.
28.06.1999Herr Friedrich Jungenkrüger wird neuer Schulleiter und löst seinen Vorgänger Herrn Krumpelt ab.
Sommerferien 2000Internetanschluss
seit 2002Regelmäßige Teilnahme der Flying GaBös an der Sportlerehrung des Kreissportbundes
09.01.2003Gründung einer Elterninitiative, die sich für die Weiterentwicklung der Schule im Landkreis einsetzt.
07.07.2003Beschluss der Gesamtkonferenz zur Gründung eines Beirates.
ab Schuljahr 2003/04Einführung des Faches Darstellendes Spiel
Einführung eines Sportleistungskurses
Einführung des Faches Wirtschaftslehre in der Mittel- und Oberstufe
Einführung des „PASCHA-Systems“
seit 2004Regelmäßige Fortbildungen zum Thema „Kooperatives Lernen“
ab Schuljahr 2004/05Erweiterung der Schule um die Klassen 5/6 am GaBö (freiwillige Selbstbeschränkung auf Zweizügigkeit)
Einführung eines Ganztagsangebotes
ab 2005Pilotschule im Projekt „Erweiterte Eigenverantwortung in Schulen und Qualitätsvergleiche in Bildungsregionen und Netzwerken“
ab Schuljahr 2005/06Durch Beschluss des Kreistages: Beschränkung auf Vierzügigkeit in Klasse 11 (mit jährlicher Überprüfung)
01.08.2006Anerkennung als Ganztagsschule
seit 2006Ausbau von Schulpartnerschaften mit Lyon, Orastie, Fiuggi und Albuquerque
Verstärkte Kooperation mit Unternehmen aus der Region und mit der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg
Regelmäßige Teilnahme an den Helmstedter Universitätstagen und regelmäßige Durchführung von Planspielen (MIG und Polis)
Aufbau einer Schulpartnerschaft mit China
seit 2006Partnerschule des VfL Wolfsburg
seit 2006Regelmäßig jährliche Seminare mit Herrn Jürgen Schlicher zum interkulturellen Konfliktmanagement
2006Gestaltung des Naturerlebnisparks am GaBö
seit 2007ECDL-Führerschein-Ausbildung
Regelmäßige Sportassistenausbildung für die 8. Klassen
Regelmäßige Teilnahme der 8. Klassen am „SCHULZ-Projekt“
der Braunschweiger Zeitung
2007Gründung „Schulverein e.V.“
seit 2008Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen
Wärmedämmung, Feuerschutz, Hallendach der Sporthalle,
Silentium, Küche des Schülercafés, u.a.
seit 2009Einführung eines Doppelstundenmodells
seit 2009Regelmäßige Veranstaltung „Schüler schulen Senioren“
seit 2010Mitglied im Verbund „Blick über den Zaun“
2010Jährliche Vortragsreihen im Rahmen der Projekttage zum Thema
„Gemeinsam Leben – gemeinsam Sport treiben“
seit 2012Schulsanitätsdienst
Sept. 20122. Platz beim Wettbewerb des „Regionalen Bildungspreises“
seit Jan. 2013Jährliche Durchführung des „Bunten Abends“
seit Jan. 2013
02.07.2014
Beginn des „China-Projekts“
Gründung des Vereins „GaBö-Campus-International e.V.“
20.09.2001
und
18.09.2013
Gesundheitstage
seit 2013Politiker-Speed-Dating in Kooperation mit der PBH
05.06.2013
01.10.2013
11.03.2013
Veranstaltungsreihe „GaBö blickt weiter“
Chatten, Surfen, Mailen @ Fluch oder Segen.de?
Drum Circle
Gregor Staub, Gedächtnistrainer
seit 2014BOHE M E und BEREIT in Kooperation mit der Allianz der Regionen
Berufsorientierung im Landkreis Helmstedt

seit 2006
seit 2014
Regelmäßige Fortbildung zu
Lions-Quest: Erwachsen werden
Lions-Quest: Erwachsen handeln
seit 2014Einführung eines Mobbing-Interventionsteams
seit 2014Teilnahme am ERASMUS+-Projekt
Sept. 2014Das GaBö erhält zum 3. Mal die Auszeichnung
„Sportfreundliche Schule“
Jan. 2015Verleihung des Titels „Tanzsportbetonte Schule“
Über das GaBö

Die Geschichte des Gymnasiums am Bötschenberg Helmstedt reicht mehr als fünfzig Jahre zurück. Am 1. April 1948 wurde die “Staatliche Oberschule im Aufbau (im Entstehen)” eingerichtet. Sie begann mit einer Klasse in den Räumen der Oberschule für Jungen an der Wilhelmstraße und konnte am 30. November 1948 ihren ersten Klassenraum in der zukünftigen Schule am Brunnenweg 1 übernehmen. Studienrat Wätzig wurde mit der Leitung der “Staatlichen Aufbauschule”, wie sie kurz genannt wurde, beauftragt. Am 1. April 1949 bezog die Aufbauschule weitere Räume der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt am Brunnenweg. Am 1. November 1949 wurde das Schülerheim der Aufbauschule mit 4 Mädchen und 16 Jungen eröffnet. Insgesamt besuchten zu dieser Zeit 80 Schülerinnen und Schüler die Schule. Damit setzte sich in dem Gebäude auch eine schulische Tradition fort, die in Helmstedt seit 1911 durch die privat Mädchenschule “Institut Wittke-Lademann”, die ein Internat für Mädchen im Alter von 10 – 16 Jahren besaß, bis 1940 bestanden hatte. Die Leiterin der Schule, Emmi Lademann, genoß in Helmstedt höchstes Ansehen durch ihre erfolgreiche pädagogische Tätigkeit. 1940 mußte die Privatschule an den Kloster- und Studienfonds des Landes Braunschweig verkauft werden. 1941 wurde in den Gebäuden am Brunnenweg eine Lehrerbildungsanstalt eingerichtet. In Aufbaulehrgängen sollten Volks- und Realschüler auf das Studium an den Hochschulen für Lehrerbildung vorbereitet werden. Das Projekt wurde durch die Kriegswirren im Jahr 1945 beendet. Am 7. Februar 1945 übernahm die Wehrmacht das Gebäude und richtete hier ein Lazarett ein. Nach dem Einmarsch der Amerikaner in Helmstedt im April 1945 richtete man ein Lager für Russen, danach für Franzosen ein, ehemalige Kriegsgefangene, die vor ihrer Entlassung in die Heimatländer eine Unterkunft benötigten. Von 1946 an verwalteten die Helmstedter Krankenanstalten den Gebäudekomplex, in welchem sie am 30. Juni 1947 das “Hilfskrankenhaus Lademannschule” als Seuchenstation für Typhuskranke einrichteten. Dadurch wurden Pläne der Braunschweigischen Staatsverwaltung vom Mai 1946 hinfällig, in Helmstedt eine “Volksoberschule” wie in Wolfenbüttel, Bad Harzburg und Braunschweig in der früheren Lehrerbildungsanstalt zu begründen.

Statt dessen wurde die “Aufbauschule” ins Leben gerufen. Einen Eindruck von der Aufbruchstimmung der Anfangszeit vermittelt ein Bericht des damaligen Schülers der 8. Klasse, Klaus Stopik: “Am Dienstag, d. 30. November 1948, um 13.30 versammelten wir, die Klasse 7 und zugleich Pionierklasse der Niedersächsischen Heimschule, uns an der Ecke Goethestrasse-Brunnenweg, denn wir hatten etwas Großes vor. Herr Studienrat Wätzig, der Leiter und Gründer unserer Schule, dem es nun endlich gelungen war, das Gebäude freizubekommen, erwartete uns dort. Von da aus begaben wir uns zu unserer zukünftigen Schule, der früheren Lademannschule, am Brunnenweg 1. Vor der Pforte des Schulhofes machten wir halt, und Herr Studienrat Wätzig hielt eine Ansprache an uns. … Nachdem das Schild mit der Aufschrift “Infektionskrankenhaus – Seuchengefahr – Eintritt verboten!” durch die Vertrauensschüler abgenommen war, war der Hauptakt vollbracht. Frau Conradt, eine Vertreterin des Elternrates, war zugegen. Danach führte uns Herr Studienrat Wätzig durch den Gemüsegarten, sowie in den Hof und das Gebäude. … Das Schulgebäude war sehr mitgenommen und erinnerte uns an den Krieg und das Krankenhaus. Im Festsaal stellte sich der Chor auf und sang eine Probe in Anwesenheit von Frau Wätzig. In unseren Händen liegt es nun, das Gebäude für uns zu gestalten, und wir werden es auch schaffen. Schon am Dienstag begannen wir mit der Instandsetzung des Festsaales. Und so setzten wir die Arbeit jeden Dienstag fort, so daß wir zu Ostern in eine neue und schöne Schule einziehen können.”

Am 31. Oktober 1949 erhielt die Schule die Genehmigung zur Gründung eines Schülerheimes. Bereits am nächsten Tag zogen 4 Mädchen und 16 Jungen in das Heim ein. Darüber berichtet ein Schüler: “Wir hatten nur alte, verrostete Eisenbetten mit schlechten Matratzen, zerschrammte Tische, die nur durch ein paar Nägel zusammengehalten wurden. Auch die Zimmer selbst waren trostlos. …” Damit war die “Staatliche Oberschule im Aufbau” zu einer Heimschule geworden, wenn sie auch nur einen Teil der Wohngebäude als Internat nutzen konnte, denn mit den Heimschülern wohnten noch 12 Flüchtlingsfamilien oft Tür an Tür im gleichen Gebäude. Erst am 22. August 1953, am “Tag der Alleinherrschaft”, wie es der damalige Schulleiter formulierte, zog die letzte Familie aus.

In den ersten Jahren war die Heimschule am Brunnenweg noch deutlich von dem pädagogischen Konzept der Landerziehungsheime geprägt, wie es Hermann Lietz zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt hatte: Gemeinschaftsleben von Lehrern und Schülern, Abbau der Lehrerautorität alten Stils und kameradschaftliches Verhalten des Erziehers zu den Schülern, Selbsterziehung der Schüler durch Übernahme von Verantwortung, betont einfache Lebensweise in ländlicher Umgebung, handwerkliche Beschäftigungen und Gartenarbeit. Im Unterschied zu den Landerziehungsheimen wurde jedoch in der Heimschule in Helmstedt der Schwerpunkt auf den Unterricht am Vormittag gelegt. Von Anfang an stand als Ziel der “Oberschule im Aufbau” das Abitur fest. Diesem diente auch die Regelung einer schulischen Arbeitszeit für die Schülerinnen und Schüler in einer den Schularbeiten vorbehaltenen Zeit von 16 – 18 Uhr. Daneben gab es Aktivitäten im Garten, beim Werken, Töpfern, bei Laienspiel, Chor und Instrumentalmusik. Auch der Sport nahm einen wichtigen Platz ein. Wie sehr die Schule den sozialen Erfordernissen der Zeit entsprach, läßt sich ermessen, wenn man registriert, daß noch 1955 von den Heimschülern die Hälfte Flüchtlingskinder und nahezu die Hälfte Voll-oder Halbwaisen war. Der Andrang von Schülern war groß, so daß die engen räumlichen Verhältnisse bald unerträglich wurden. In einem Rückblick des Schulleiters Studiendirektor Weiß, eines ehemaligen Schülers, heißt es im Jahr 1981 über die schwierigen Verhältnisse der 50er Jahre: “1952 trat die Pionierklasse in die Oberstufe ein. Da nicht genügend Unterrichtsräume zur Verfügung standen, wurde sie in die 11. Klassen des Julianums eingegliedert. In der örtlichen Presse sprach man von einem schweren Eingriff, von einer Amputation des Kopfes der Staatlichen Aufbauschule. Immer deutlicher wurde die Raumnot; abgesehen von einem Werkraum, gab es keinen weiteren Fachraum, die sanitären Verhältnisse ließen zu wünschen übrig. Als ich im Januar 1955 in das Heim einzog, gab es z. B. keine Duschen. Wir wuschen uns in verbeulten Aluminiumschüsseln. Warmes Wasser wurde eimerweise aus einem Waschkessel aus dem Keller der nahegelegenen Küche geholt. Ich war kurz nach dem 17. Juni aus der DDR in die Bundesrepublik gekommen. Die Aufbauschule in Helmstedt war damals die einzige Schule in Niedersachsen – vermutlich sogar in der Bundesrepublik – die einen Schüler in die 9. Klasse aufnahm, der nur kurze Zeit Englisch in der Mittelstufe gelernt und keinen Französischunterricht gehabt hatte.

Im Dezember 1955 beriet der Niedersächsische Landtag über einen Antrag auf Neubau der Niedersächsischen Heimschule. Dabei wurden auch Überlegungen erörtert, die Schule an einem anderen Ort Niedersachsens neu zu errichten. Mit aller Deutlichkeit setzten sich der Landkreis und die Stadt Helmstedt – unterstützt von der Elternschaft – dafür ein, daß diese hier in Helmstedt neu errichtet werden müsse. Dabei wurde insbesondere auch die hochpolitische Bedeutung einer solchen Bildungseinrichtung im Zonenrandgebiet herausgestellt. U. a. schrieben die Helmstedter Nachrichten: >In Helmstedt ist eine Schule für die Zukunft zu bauen. Bei einer zukünftigen Wiedervereinigung und dem Fortfall der Zonengrenze wäre Helmstedt ein besonders günstiger Standort für die Schule. Das Gebiet östlich der Zonengrenze – vor allem die Magdeburger Börde und die Altmark – ist von jeher wirtschaftlich und auch schulisch Einzugsgebiet für Helmstedt gewesen. Früher hat eine große Zahl von Kindern aus den landwirtschaftlichen Gebieten östlich Helmstedts die Landwirtschaftlichen Lehranstalten besucht und war in privaten Helmstedter Internaten untergebracht. Auch die Heimschule wird mit Vorliebe von Kindern aus bäuerlichen Kreisen besucht, so daß mit Sicherheit feststehen dürfte, daß gerade im Falle einer Wiedervereinigung Deutschlands ein besonderes Bedürfnis nach einem derartigen Schultyp in Helmstedt bestehen wird.< Die politischen Ereignisse der folgenden Jahre – z. B. Gründung der Nato und des Warschauer Paktes, Bau der Berliner Mauer – zerstörten jedoch diese Hoffnung und damit auch dieses Argument. Die Aussichten für einen Neubau der Schule verschlechterten sich zusehends.

Zu Beginn des Schuljahres 1957/58 wurden keine neuen Schüler in die Klasse 7 aufgenommen. Der spätere Leiter dieser Schule, Herr Herrmann, wurde kommissarisch – sozusagen als Konkursverwalter – beauftragt, die Amtsgeschäfte bis zur endgültigen Auflösung zu führen. Bereits im ersten Jahr seiner Tätigkeit gelang Herrn Herrmann das auch im nachhinein kaum glaubliche Kunststück, den Niedersächsischen Kultusminister und den Niedersächsischen Landtag davon zu überzeugen, daß dieses Gymnasium, das bereits geschlossen war, unbedingt erhalten, ja neugebaut werden müsse, allerdings nicht mehr vorzugsweise für Flüchtlingskinder – ihre Zahl ging ständig zurück und rechtfertigte kaum noch einen Neubau, sondern für befähigte Mittelschulabsolventen aus dem ganzen Land Niedersachsen. Prominente Fürsprecher, wie z. B. der frühere Helmstedter Oberkreisdirektor und spätere Kultusminister Richard Voigt oder der Ministerialdirigent im Niedersächsischen Kultusministerium Herr Dr. Rönnebeck, der sich besonders dem Gedanken der Heimschulerziehung verpflichtet fühlte, unterstützten Herrn Herrmann in seinem Bemühen um den Neubau.

Ostern 1958 begann der Unterricht in der 11. Klasse, die aus 40 Schülern bestand, die ohne Ausnahme die Mittelschule besucht hatten. Gleichzeitig wurde die Genehmigung erteilt, daß die 3 verbliebenen Aufbauklassen an der Heimschule und nicht am Julianum die Reifeprüfung ablegen konnten. Mittelschulabsolventen mit nur einer Fremdsprache traten zum ersten Mal Ostern 1959 in eine 10. Vorlaufklasse ein, um in 4 Jahren zum Abitur geführt zu werden. Ende Juni 1959 begannen die Bauarbeiten für die Schulgebäude, Ostern 1960 wurde das heutige Schulgebäude bezogen, im Frühjahr 1962 war der Bau der Internatsgebäude abgeschlossen, im März 1963 wurden dem Schulleiter in einer würdigen Feierstunde Schul- und Internatsgebäude übergeben. Kultusminister Voigt teilte die Abiturzeugnisse aus. 1972, in dem Jahr, als Herr Herrmann die Schulleitung abgab und in den Ruhestand trat, bestand der 500. Abiturient die Reifeprüfung.” Nachfolger von Oberstudiendirektor Rudolf Herrmann wurde am 1. August 1972 Oberstudiendirektor Hafermann, dem am 20. August 1973 Oberstudiendirektor Dr. Voigtel in der Schulleitung folgte.

Im Laufe der 70er Jahre ergaben sich durch die Reform der Sekundarstufe II Probleme für die Heimschule, weil nunmehr alle Schüler mit dem Erweiterten Abschluß der Sekundarstufe I, also auch die Absolventen der Realschulen, jedes Gymnasium besuchen konnten. Der damit verbundene Rückgang der Heimschülerzahlen in Verbindung mit finanziellen Schwierigkeiten des Landes Niedersachsen führte dazu, daß im Kultusministerium Überlegungen angestellt wurden, die Schule, die inzwischen “Internatsgymnasium Helmstedt” hieß, zu schließen. Landesweite Werbeaktionen von Schülern und Lehrern in den Realschulen Niedersachsens, Verhandlungen mit dem Kultusministerium über eine neue Konzeption für die Heimschule waren vergeblich. 1978 ging Herr Dr. Voigtel in den Ruhestand. Ihm folgte 1979 in der Schulleitung Studiendirektor Klaus-Jürgen Weiß.

Die im Mai 1981 in “Gymnasium am Bötschenberg Helmstedt” umbenannte Schule wurde am 1. August 1981 vom Land Niedersachsen dem Landkreis Helmstedt als Schulträger übergeben. Als 1982 Herr Weiß die Leitung des “Anna-Sophianeums” in Schöningen übernahm, wurde Frau Studiendirektorin Kamphenkel kommissarische Schulleiterin des “Gymnasiums am Bötschenberg”. Tendenzen der Schulbehörde in Braunschweig, die Leistungsfähigkeit und damit die Existenz der Schule in Frage zu stellen, traten Elternschaft, Schüler und Kollegium mit großer Entschiedenheit entgegen. Damit wurde sichergestellt, daß die bis dahin erfolgreich arbeitende Schule auch unter veränderten Bedingungen weiter ihre Aufgabe erfüllen konnte. Steigende Schülerzahlen bewiesen, daß das “Gymnasium am Bötschenberg Helmstedt”, seit 1983 unter der Leitung von Studiendirektor Hans-Jürgen Krumpelt, eine sinnvolle Ergänzung im Bildungsangebot des Landkreises Helmstedt darstellte.

In der Leitung der Schule folgte im Jahr 2000 Studiendirektor Friedrich Jungenkrüger. Aufmerksamkeit erregt seither das Projekt, die Schule zu einer “Projektschule Europa mit Ganztagsangebot von Klasse 5 – 12″ zu entwickeln.

Erinnerungen

Der zweite Weltkrieg im Chemieunterricht (Gottfried von Einem)

Oben im Chemieraum. Ein Lehrer steht vor seiner „11a“. Seiner? Er konnte sie sich nicht aussuchen. Da steht er nun. Die Flügel der Tafel schweben bedrohlich hinter sei nem schmächtigen Rumpf mit dem etwas schief sitzenden Kopf. Hohe Stirn, schütteres rötlich-blondes Haar. Eine Goldrand-Brille verdeckte geschickt, dass die Augen ständig nach außen ausbrechen wollen. Sein Mund ist offen…

Hier höre ich auf, seine körperliche Erscheinung zu beschreiben, weil es für das, was ich mit dieser Geschichte sagen will, nicht von Belang ist. Ohnehin ist dem Betrachter der Blick auf den Rest des Körpers vom Rippenansatz abwärts verwehrt. Ein riesiger Tresen, voll von Zauberpülverchen, giftigen Tinkturen und stinkenden Reagenzien, schiebt sich von unten ins Bild, schneidet den halben Lehrer weg und lässt ihn dadurch noch zerbrechlicher und unglücklicher erscheinen, als er ohnehin schon ist. Bunsen brenner und andere gefährliche Apparate stehe seitlich auf dem klotzigen Möbel. Alles, was ein Chemielehrer an Materialien braucht, ist vorhanden.

Nun wird er seinen Stoff absingen. Was er sagt und fragt, erinnere ich nicht. Aber bei jeder etwas längeren Pause nach einem Satz klappt sein Kinn nach unten. Sein Mund ist offen…

Die Klasse 11a ist inzwischen die 12a. Die Lehrer kennen die schulischen Schwächen der Schüler. Die Schüler wissen schon immer um die Macken und nicht ganz vertusch baren Unarten der Lehrer: Wie eben beispielsweise um den etwas dösig aussehenden offenen Mund…!

Das beinahe tägliche Miteinander und Nebeneinander im Internat und das zeitweise Gegen- und Nebeneinander in der Schule lassen Lernende und Lehrende zu familien ähnlichem Umfang finden. Manchmal entsteht Vertrauen, Nähe. Es soll sogar zu heftigen Zuneigungen gekommen sein, zu späterer Ehe. Eine Gemeinschaft wie die unsere im Heim ist aber zugleich eine Notgemeinschaft, und in der geht es nicht immer zimper lich zu – wie eben in den besten Familien.

Oben im Chemieraum. Der Lehrer steht vor seiner 12a. Er hat etwas gesagt und gefragt und wartet auf Antwort. Wie immer, so auch heute: Der Kiefer hängt, der Mund ist offen…

Der Lehrer guckt in die Runde. Einer meldet sich. „Ja. Bitte?“

„Ich hab da mal ´ne Frage.“

„Ja?“

„Warum haben Sie eigentlich immer den Mund offen, wenn Sie nichts sagen…?“

Alles hält den Atem an.

Pause.

Ein einzelnes Kichern.

„Das kann ich Ihnen erklären… Im Krieg im Schützengraben… Wenn da die Granaten angeflogen kamen… Bei Explosionen… Da musste man sofort den Mund aufmachen, daher kommt das… Wegen Druckausgleich… sonst platzte einem das Trommelfell.“

Seit dieser Stunde mochte ich Herrn Meyer, meinen Lehrer.

Eine Lehrerin erinnert sich (Lieselotte Kamphenkel)

Es war nach den Osterferien 1960, zu Beginn des neuen Schuljahres, als ich meinen Dienst in der Heimschule antrat. In den vorhergehenden sechs Jahren hatte ich mich meiner Familie gewidmet. Nun hielten wir es, – nach einer schweren Krankheit meines Mannes -, für besser, dass ich wieder in den Schuldienst ging.

Herr Hermann, damals kommissarischer Schulleiter, hatte sich schon vorher um mich bemüht, denn es war Mangel an Lehrern in meinen Fächern. Neben mir als neue Lehre rin gab es an der Schule auch zwei neue Klassen. Diese Schüler kamen aus ländlichen Bezirken Niedersachsens und von Borkum. Außerdem hatte ich eine Klasse, die haupt sächlich aus alten Heimschülern bestand, die als begabte Volksschüler mit 13 oder 14 Jahren zur damaligen Aufbauschule gekommen waren. Es gab Schüler, die durch die Versetzung des Vaters schon fünf Schulen besucht hatten, bevor sie bei uns landeten. Daneben hatten Flüchtlingskinder, Kriegswaisen zum Teil, erst einmal im Heim eine Bleibe gefunden, während die Eltern versuchten, im Westen Fuß zu fassen.

Obwohl die Schüler der zwei neuen Klassen alle erfolgreich die Realschule durchlaufen hatten, konnten die einen in drei, die anderen erst in vier Jahren Abitur machen. Aus schlaggebend für diese Unterscheidung war, dass eine Reihe von ihnen die zweite Fremdsprache nicht bis zum Ende der Schulzeit gelernt hatten. Laut Verfügung des Kultusministeriums mussten diese Schüler in vier Jahren Latein als zweite Fremdsprache erlernen.

Den Schülern, die aus der DDR kamen und Russisch gelernt hatten, wurde Gelegenheit gegeben, zu Privatlehrern nach Schöningen, später nach Braunschweig zu fahren, wo sie in diesem Fach ihre Prüfung ablegten.

Es ist bemerkenswert, was viele Schüler auf sich nahmen, um ihr Ziel zu erreichen, abgesehen davon, dass sie die vertraute Umgebung, Familie und Freunde verlassen mussten. Gewiss hatten sie nach einiger Zeit den Trennungsschmerz überwunden und im Heim bei den Mitschülern eine zweite Heimat gefunden, doch suchten sie auch Kontakt zu den Erwachsenen.

Ich merkte bald, dass das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern in den meisten Fällen familiärer und vertrauensvoller war als an der Oberstufe anderer Schulen. So wurde ich z. B. mit meinen Kindern zu Schlittenpartien, zu Feiern im kleinen Kreis ein geladen. In meiner Klasse sang ein Quartett montags vor Unterrichtsbeginn, – ein wun derbarer Einstieg in die Woche.

Zu den Geburtstagen der Lehrer wurde vom kleinen Chor ein Ständchen gebracht. Vor Nikolaus baten sie die Schulsekretärin, sie ins Lehrerzimmer zu lassen. Da fanden wir an unseren Fächern kleine Geschenke mit Gedichten, manchmal einen Kugelschrei ber mit der Bitte, nicht immer den roten zu benutzen, manchmal auch Ruten mit den entsprechenden Ermahnungen.

Doch kam es auch zu herzhaften Differenzen mit einigen Lehrern, die zu persönlichen Angriffen führten, die schriftlich ausgetragen wurden. Es gab auch gemeinschaftliche Proteste. So zogen die Schüler vom alten Heim, in dem sie noch wohnten, zur neuen Schule mit einem selbstgebastelten Pappsarg, in dem die Freiheit zu Grabe getragen wurde, wie die Aufschrift besagte. Der Anlass des Protestes war eine neue Heimord nung, die mehr als bisher ihre Freiheit einschränkte. Nötig war sie wegen der unter schiedlichen Bedingungen im neuen Heim und deswegen, weil wir nun eine reine Ober stufenschule waren, also nur Schüler von 16 – 20 Jahren im Heim hatten. Wenn der Volksmund von der Schwierigkeit spricht, einen Sack Flöhe zu hüten, so würde ich das nicht nur auf junge Mädchen beziehen. Die Jugendlichen wollten verständlicherweise auf ein gewisses Maß an Freiheit nicht verzichten. Da sie aber alle nach dem damaligen Gesetz noch minderjährig waren, waren wir Eltern und Schülern gegenüber verpflichtet darauf zu achten, dass das Zusammenleben in geordneten Bahnen verlief. Umarmung und Küsschen unter der Autobahnbrücke – vom Schulleiter selbst gesehen, wurde damit bestraft, dass die beiden Delinquenten für eine Woche vom Unterricht ausge schlossen und nach Hause geschickt wurden. Der erklärende Brief an die Eltern sorgte dafür, dass sie die Zeit nicht als zusätzliche Ferien betrachteten und geläutert bzw. vorsichtiger zurückkamen.

Ich glaube kaum, dass die Heimordnung, die von den Schülern unterschrieben werden musste, bevor sie aufgenommen wurden, heute noch akzeptiert würde. Doch damals hielten sich die Konflikte in Grenzen. Ich wurde zwar manchmal ins Vertrauen gezogen, vielleicht gerade deshalb, weil ich keinen Heimdienst machte und man von mir als Mutter Verständnis erwartete. Auch kamen sie, wenn sie eine schlechte Note bekom men hatten, nicht um sich zu beschweren, sondern um sich trösten zu lassen. Und das tat ich gern, denn es waren zumeist willige Schüler und liebenswerte Menschen.

Die persönliche Befriedigung, die die Arbeit mir gab, versöhnte mit den außergewöhnli chen Belastungen, die die Arbeit an einer Oberstufenschule mit sich bringt. Als Lehrer hatte man ständig den Wissensstand von Schülern unterschiedlicher Schulen anzuglei chen und auf ein gewisses Niveau zu bringen. Jahrelang waren einwöchige Zulas sungsprüfungen angeordnet, die wir mit den Realschullehrern gemeinsam vorbereiteten und durchführten. Das war mit zusätzlichen Konferenzen und Korrekturen verbunden und immer mit der Sorge, dass man die noch unbekannten Schüler gerecht beurteilte hinsichtlich ihrer Leistungen; dass man aber auch ihre Persönlichkeit berücksichtigte, ihre Prüfungsängste, ihr mangelndes Selbstvertrauen.

Zu den ständigen Belastungen gehörte auch, dass man fast in jedem Jahr Abiturklassen hatte. Was das bedeutet, kann eigentlich nur der verstehen, der selbst diese Erfahrung gemacht hat.

Das Heim ist seit langem geschlossen und die Schule hat sich, von daher gesehen, grundlegend geändert. Eins aber ist geblieben: Schulleitung, Sekretariat und Kollegen arbeiten gut zusammen auf ein gemeinsames Ziel hin. Die lange Liste unserer Schüler und ihrer Berufe zeigt, dass die Arbeit sich gelohnt hat. Die jährlichen Treffen mit unse ren Ehemaligen sind Zeichen der persönlichen Verbundenheit von Schülern und Leh rern. So hat die Schule ihre Aufgaben erfüllt, ihren Platz und guten Namen behauptet. Für mich waren die 24 Jahre an dieser Schule eine glückliche Zeit.