Wirtschaftsunterricht im Unternehmen – GaBö-Schüler tauschten Klassenzimmer gegen Geschäftsräume

Eine Woche lang nicht in der Schule lernen, sondern in einem richtigen Unternehmen als „Unternehmer“ Entscheidungen treffen und erleben, was diese Entscheidungen für Auswirkungen haben. Eine Woche lang nicht von Lehrern unterrichtet werden, sondern von Fachleuten aus der Wirtschaft. Einmal in fremder Umgebung vor geladenen Gästen eine Marketing-Präsentation durchführen und kein Referat vor Mitschülern halten. Diese Chance, Wirtschaft praxisnah zu erleben und die eigenen Fähigkeiten in einer ungewohnten Umgebung auszuprobieren, bot sich 20 Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums am Bötschenberg beim Management Information Game.

Die Jungunternehmer verließen dazu ihre gewohnte Umgebung und richteten sich in den Geschäftsräumen der FIBAV GmbH in Königslutter ein. Dort übernahmen sie für fünf Tage die Rollen von Vorstandsmitgliedern von drei konkurrierenden Aktiengesellschaften. Bei einem computergestützten Simulationsspiel trafen sie vier Tage lang unternehmerische Entscheidungen in Bereichen wie Produktion, Marketing, Vertrieb und Personalmanagement. Bei einer abschließenden Präsentation im Ausbildungszentrum der Elm Bau GmbH mussten alle Unternehmen ihre Geschäftsidee vor potentiellen Kunden vorstellen und bekamen dafür Punkte.

Das MIG-Spiel gehört neben der Gründung einer Schülerfirma und dem Betriebspraktikum zum wirtschaftlichen Schwerpunkt des GaBö. „Das Spiel bietet eine einzigartige Möglichkeit, um Wirtschaftskompetenz und lebenspraktische Erfahrungen miteinander zu verknüpfen“, meint Thomas Müssiger, Lehrer am Gymnasium am Bötschenberg. Ergänzt wurde das Simulationsspiel durch eine Reihe von Fachvorträgen, die zum Teil von Mitarbeitern der FIBAV, teilweise aber auch von externen Fachleuten gehalten wurden.

Für den Höhepunkt des Spiels, eine Marketingpräsentation vor geladenen Gästen, hatten sich die Schüler diesmal ein zum Betrieb passendes Produkt ausgesucht: eine Leiter. Und man durfte gespannt sein, wie es ihnen gelingen würde, ein scheinbar einfaches Produkt, das man eigentlich nicht mehr verbessern kann, weiterzuentwickeln. 

Die drei Unternehmen KESP ladders AG, HighQualityLadder AG und SmartCraft AG kamen jeodoch auf innovative Ideen, die viele der fiktiven Käufer nicht nur zum Fragen anregten, sondern vielleicht auch vom Zusatznutzen des Produktes überzeugt haben. Da gab es z.B. eine schmutzabweisenden Beschichtung, die auf dem Lotuseffekt beruht, integrierte LED-Leuchten für die Nachtarbeit, eine fahrbare Stufe, die das Erklettern der Leiter überflüssig macht sowie verschiedene höhenverstellbare Ablagemöglichkeiten für Werkzeuge und vieles mehr.  

Für die beste Präsentation des Abends erhielt die KESP ladders AG eine fiktive Bilanzgutschrift in Höhe von 300.000 Euro. Aber eigentlich kommt es bei dem Spiel nicht darauf an, welches Team am Ende am meisten Geld verdient hat. Das sieht auch Sven Hansmeier, Geschäftsführer und Mitbesitzer der FIBAV GmbH, so: „Die Schüler haben das alle toll gemacht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich das MIG-Spiel selbst einmal gespielt habe. Man kann sehen, wie die Schüler hier mit ihren Aufgaben wachsen. Und deshalb sind wir auch gerne bereit, uns an solchen Projekten zu beteiligen.“